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Studie empfehlen
Trotz der weiten Verbreitung der Akupunktur und ihrer hohen Akzeptanz
bei Patienten gab es bisher relativ wenige kontrollierte klinische Studien,
die widersprüchliche Ergebnisse zeigten. Wissenschaftler führen dies
u.a. auf methodische Fehler zurück und halten weitere, qualitativ hochwertige
Studien für notwendig. Dazu gibt es derzeit hoch interessante Ansätze:
1. GERAC-Studie:
Seit März 2001 läuft unter dem Namen gerac (German Acupuncture Trials)
die bislang größten Akupunkturstudie weltweit. Federführung hat Prof.
Dr. Hans-Joachim Trampisch von der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität
Bochum (RUB). gerac besteht aus zwei Teilstudien:
- Teilstudie I ist eine so genannte
"prospektive Kohortenstudie", die quantitative Aussagen über unerwünschte
Wirkungen einzelner Therapieformen liefern soll. Innerhalb von drei
Jahren sollen bundesweit 500.000 Patienten an dieser Beobachtungsstudie
teilnehmen. Erste Ergebnisse liegen bereits vor: Bei fast 90 Prozent
der bisherigen Teilnehmer (zum Großteil Rücken? und Kopfschmerzpatienten)
konnte eine Linderung der Beschwerden festgestellt werden, in über
Hälfte der Fälle bereits nach weniger als zwei Wochen. Schwere Nebenwirkungen
gab es kaum: Die Werte für lokale Infektionen oder Kollapsneigung
betrugen weit unter einem Prozent.
- Teilstudie II läuft derzeit
an. Ziel dieser kontrollierten Studie ist es zu prüfen, ob Akupunktur
bei bestimmten Formen des chronischen Schmerzes einsetzbar und wie
wirksam sie im Vergleich zu konventionellen Methoden ist. Dazu wird
die von führenden Experten empfohlene und bewährte Standardtherapie
für die jeweilige Schmerzindikation mit zwei unterschiedlichen Akupunkturbehandlungen
verglichen: einer "echten", die den Regeln der Traditionellen Chinesischen
Medizin entspricht ("Verum"-Akupunktur), und einer Pseudo-Behandlung,
die speziell für diese Studie entwickelt wurde und bei der "falsche"
Punkte auf der Haut gestochen werden ("Sham"-Akupunktur). Welcher
Patient welche Therapie erhält, wird nach dem Zufallsprinzip entschieden
("randomisierte Studie"). In diese Teilstudie sollen binnen zwei Jahren
ca. 4000 Patienten aufgenommen werden.
Bemerkenswert ist diese Studie auch in anderer Hinsicht: Über Kassengrenzen
hinweg beteiligen sich die gesetzliche Krankenkassen AOK, BKK, IKK, Bundesknappschaft,
Landwirtschaftliche Sozialversicherung und die See-Krankenkasse mit insgesamt
7,5 Millionen Euro an den Kosten.
2. Studien
im Rahmen des Modellvorhabens Akupunktur der Techniker Krankenkasse und
der dem Modellvorhaben beigetretenen Krankenkassen 
Mit
dem Ziel, Akupunktur bezüglich Wirksamkeit (efficacy),
Effektivität unter Alltagsbedingungen (effectiveness),
Therapiesicherheit und Wirtschaftlichkeit zu untersuchen, hat das Institut
für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie des
Universitätsklinikums Charité, Humboldt Universität
zu Berlin, ein wissenschaftliches Konzept erarbeitet, welches sich aus
drei Studienteilen zusammensetzt: Die Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen
wird anhand einer randomisierten Interventionsstudie evaluiert (Studienteil
A). Zur Erfassung von Therapiesicherheit und Wirtschaftlichkeit wird
eine prospektive Beobachtungsstudie durchgeführt (Studienteil B),
während die Wirksamkeit in einer randomisierten kontrollierten
Studie untersucht wird (Studienteil C).
Studienteil
A
Ziel dieses Studienteils ist es, die Effektivität von Therapieangeboten
mit Akupunktur vs. Therapieangeboten ohne Akupunktur als GKV-Leistung
zu untersuchen. Es werden Patienten unter Berücksichtigung diagnosespezifischer
Ein- und Ausschlusskriterien in eine dreiarmige randomisierte Interventionsstudie
eingeschlossen, die im Rahmen der Routineversorgung durchgeführt
wird. Patienten die einer Randomisierung zustimmen, werden in eine Akupunkturgruppe
oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Die Akupunkturgruppe erhält
bis zu 15 Akupunkturbehandlungen innerhalb von 3 Monaten, während
die Kontrollgruppe in diesem Zeitraum keine Akupunktur bekommt. Die
Kontrollgruppe erhält nach 3 Monaten ebenfalls Akupunktur. Patienten,
die eine Randomisierung ablehnen, werden in einer dritten Gruppe, welche
die gleiche Therapie wie die randomisierte Akupunkturgruppe erhält,
nachverfolgt. Insgesamt werden in diesem Studienteil ca. 50.000 Patienten
eingeschlossen. Da das Modellvorhaben vor der Entscheidung des Bundesausschusses
Ärzte Krankenkassen genehmigt wurde, wurden initial Patienten mit
folgenden chronischen Diagnosen eingeschlossen: LWS-Schmerzen, HWS-Schmerzen,
Kopfschmerzen, Allergische Rhinitis, Allergisches Asthma und Dysmenorrhoe.
Nach der Anpassung des Modellvorhabens werden nur noch Patienten mit
den chronischen Erkrankungen LWS-Schmerzen, Kopfschmerzen oder Schmerzen
bei Arthrose in die Studien aufgenommen.

Studienteil
B
Bei einer geplanten Anzahl von 300.000-500.000 Patienten wird die Therapiesicherheit
und die Wirtschaftlichkeit der Akupunktur im Rahmen einer prospektiven
Beobachtungsstudie untersucht. Alle behandelten Patienten werden nach
Ende der Akupunkturbehandlung anhand eines standardisierten Fragebogens
zu Nebenwirkungen befragt. Zur Evaluierung der Wirtschaftlichkeit der
Akupunkturbehandlung werden für alle Patienten (Studienteil A und
B) direkte und indirekte Kosten über die beteiligten Krankenkassen
erhoben und unter gesundheitsökonomischen Aspekten ausgewertet.

Studienteil
C - Acupuncture Randomised Trials (ART-Studien)
Dieser Studienteil wird in Kooperation mit dem Zentrum für naturheilkundliche
Forschung (II. Medizinische Klinik, Technische Universität München)
durchgeführt. Ziel der vier multizentrischen, randomisierten Studien
ist zu überprüfen, ob und in welchem Ausmaß eine Verumakupunktur
bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Lendenwirbelsäulen-Schmerzen,
chronischen Schmerzen bei Gonarthrose, Migräne und Spannungskopfschmerzen
wirksamer ist als eine Minimal-Akupunktur bzw. keine Akupunktur-Behandlung
(Warteliste-Gruppe). Jede der vier Studien schließt 300 Patienten
ein, die von ca. 30 Ärzten in ganz Deutschland behandelt werden.
3.
Studien im Rahmen des Modellvorhaben Akupunktur der Ersatzkassen

Für
das Modellvorhabens Akupunktur der Ersatzkassen hat das Zentrum für
naturheilkundliche Forschung (ZnF) an der II. Medizinische Klinik der
Technische Universität München ein Konzept zur wissenschaftlichen
Begleitung (PEP-AK = Programm zur Evaluation der Patientenversorgung
mit Akupunktur) erarbeitet, das 4 Komponenten umfasst:
Komponente I (ART-Studien)
Vier randomisierte Studien Verumakupunktur vs. Minimalakupunktur vs.
Wartelistenkontrolle bei Patienten mit Migräne (Studie 1), Spannungskopfschmerzen
(Studie 2), chronischen Rückenschmerzen (Studie 3) und chronische
Schmerzen bei Gonarthrose (Studie 4). Jede der Studie wird bei ca. 30
Ärzten im Bundesgebiet durchgeführt und untersucht jeweils
300 Patienten. Der Name ART steht für Acupuncture Randomised Trials.
Die ART-Studien werden vom ZnF gemeinsam mit dem Institut für Sozialmedizin,
Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité durchgeführt.
Komponente
II (PEP-COMP)
Eine randomisierte Studie Akupunktur vs. medikamentöse Prophylaxe
bei Migränepatienten (Komponente II) mit insgesamt 480 Patienten
Komponente
III
Eine Kohortenstudie zu allen im Rahmen des Modellvorhabens behandelten
Patienten (insgesamt werden ca. 500.000 Patienten bei 9.200 teilnehmenden
Ärzten erwartet), in der basale Informationen zu Erkrankung, Behandlung
und Verlauf erfasst werden. Bei einer Stichprobe von ca. 10.000 Patienten
werden darüber hinaus gehende detaillierte Daten erhoben.
Komponente
IV
Aktualisierung von vorliegenden systematischen Übersichtsarbeiten
bei den Indikationen Kopfschmerzen, LWS-Schmerzen und Schmerzen bei
Cox- und Gonarthrose .
Der Komponentenaufbau
soll gewährleisten, dass zum einen die Evidenzlage zur spezifischen
Wirksamkeit der Akupunktur verbessert wird, zum anderen eine Reihe relevanter
Versorgungsfragen unter Praxisbedingungen überprüft werden
kann.
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